Mittwoch, 08 März 2017 19:32

Deutsch türkischer Fachkräfteaustausch in der Jugendarbeit

Landrat Dr. Christoph Mager und Matthias Beck (m.) beim Empfang der Gäste im Keishaus am Markt. Landrat Dr. Christoph Mager und Matthias Beck (m.) beim Empfang der Gäste im Keishaus am Markt. Foto: hfr

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Ratzeburg (LOZ). Zwölf Mitarbeiter der Jugendarbeit aus dem türkischen Izmir sind in dieser Woche Gäste des Fachdienstes Kindertagesbetreuung, Jugendförderung und Schulen der Kreisverwaltung. Im Rahmen eines kleinen Empfangs stellte Landrat Dr. Christoph Mager im Alten Kreishaus am Markt in Ratzeburg den türkischen Gästen den Kreis Herzogtum Lauenburg vor.

Im Mittelpunkt des Besuches stehen aber die verschiedenen Möglichkeiten der offenen und verbandsgebundenen Jugendarbeit im Kreis. So stellte das Jugendzentrum Schwarzenbek seine vielfältigen Angebote vor, in Geesthacht besuchten die Fachkräfte aus Izmir die dortige Skaterbahn sowie verschiedene Spielplätze und informierten sich über die mobile Jugendarbeit in der Stadt. In Ratzeburg waren Migration und der Jugendmigrationsdienst die zentralen Themen.

Außerdem wird den Gästen in Lauenburg die Straßensozialarbeit und in Mölln die Mitwirkungsmöglichkeiten von Jugendbeiräten erläutert.

Ziel dieses Fachkräfteaustausches sind der Aufbau von deutsch-türkischen Kontakten, ein regelmäßiger Jugendaustausch zwischen der deutschen und türkischen Jugendarbeit, die Darstellung der unterschiedlichen Strukturen von Jugendarbeit und der demokratischen Werte, an denen sich die Struktur der Jugendarbeit in Deutschland orientiert.

Matthias Beck vom Fachdienstes Kindertagesbetreuung, Jugendförderung und Schulen sagte, Anlass dieses Fachkräfteaustausches sei die Tatsache, dass in Deutschland viele Jugendliche mit türkischen Eltern wohnen. „Sie selber sind in Deutschland aufgewachsen, werden jedoch häufig durch ihre türkischen Wurzeln an den Rand gedrängt. Auch in der Türkei, wo sie eben nicht aufgewachsen sind, sind sie nicht wirklich zu Hause. In deutsch-türkischen Jugendbegegnungen könnten sie in gemischten Gruppen ihre interkulturellen Kompetenzen einsetzen und sich ein wenig aus der Randlage befreien.“

Für Beck sind es gerade internationale Begegnungen, die Menschen zusammen führen. „Man kommt ins Gespräch, spielt miteinander, erlebt gemeinsam das eigene oder fremde Land und kann nachfragen. Man isst und feiert zusammen, lernt sich mehr und mehr kennen. Das ist der Weg, um Vorurteile abzubauen und Verständnis zu entwickeln. Man wird bemerken, dass sich hinter den politischen, religiösen und gesellschaftlichen Fassaden nette Menschen verbergen. Wenn es gelingt, dass viele junge Menschen diese Haltung entwickeln, dann haben wir nachhaltig gearbeitet, denn die Jugendbegegnungen zeigen ein Leben lang Wirkung auf die Einstellungen der Menschen gegenüber der anderen Nation“, so Beck.

Die Gäste aus Izmir haben deutsche Fachkräfte der Jugendarbeit für den Herbst nach Izmir zu einem Gegenbesuch eingeladen.

Abschließend nahm Matthias Beck zu der Frage Stellung, warum gerade jetzt angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei dieser Fachkräfteaustausch aufgenommen wurde. „Wir werden dieses oft gefragt und stellen uns auch selbst die Frage. Aber gerade jetzt möchten wir Alternativen aufzeigen und funktionierende gesellschaftliche Systeme vorstellen. Es geht uns dabei nicht darum, andere in Frage zu stellen, sondern es geht vielmehr darum, andere besser zu verstehen und die vielfältigen Möglichkeiten und Alternativen darzustellen. Wir wollen und müssen im Gespräch bleiben, damit wir uns weiter annähern können. Genau das ist auch der Grund, warum die EU solche Maßnahmen mit erheblichen finanziellen Mitteln ausstattet.“

Letzte Änderung am Mittwoch, 08 März 2017 19:52

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