Freitag, 23 September 2016 12:15

Kinder setzen ein Zeichen gegen Armut

Rund 100 Schwarzenbeker Schulkinder steckten 4.336 Fähnchen als Zeichen gegen Kinderarmut in den Rasen. Rund 100 Schwarzenbeker Schulkinder steckten 4.336 Fähnchen als Zeichen gegen Kinderarmut in den Rasen. Foto: W. Reichenbächer

Schwarzenbek (wre). Rund 100 Schulkinder aus Schwarzenbek haben heute auf einer Wiese an der Compestraße 4.336 Fähnchen in die Erde gesteckt. Jedes Fähnchen symbolisiert ein Kind, das im Kreis in Armut leben muss. Die Aktion des Kinderschutzbundes wurde wieder von Kreispräsident Meinhard Füllner unterstützt, der bereits zum achten Mal als Schirmherr die Aktion begleitet. Auch Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig nutze die Gelegenheit, ein paar Worte zum Thema Kinderarmut loszuwerden.

„Die Kinderarmut geht nicht zurück, sie steigt“, so der Vorsitzende des Kreisverbandes des Kinderschutzbundes, Franz Albracht. Die Sozialleistungen für Kinder seien viel zu niedrig. Für Kinder bis sechs Jahren gibt es derzeit 237 Euro monatlich, für Kinder bis 14 Jahre 270 Euro, und zwischen dem 14. und 17. Lebensjahr 306 Euro. Darin enthalten sind alle Ausgaben des täglichen Lebens wie Nahrung, Bekleidung, Körperpflege, anteilige Kosten für Wohnung und Nebenkosten sowie für Freizeitaktivitäten. So gibt es beispielsweise für 14 bis 17 jährige 32 Cent im Monat für Kursgebühren. Für Eis, Pommes und Co gibt es 5,35 Euro. Viel zu wenig, wie Albracht befindet.

Der Kinderschutzbund fordert daher, dass für den Kreis ein regelmäßiger Armutsbericht angefertigt werden soll. Auch solle ein kommunaler Hilfsfond eingerichtet werden, damit Kinder und Jugendliche nichts ausgegrenzt werden, wenn sie sich sonst etwa Freizeitaktivitäten ihrer Schulkameraden nicht leisten könnten. „Alle Mahlzeiten in den Schulen, Kindergärten und Horten sollten für arme Kinder maximal einen Euro kosten“, so Albracht. Auch dürften die Ausgaben für Schulmaterial nicht höher als 100 Euro sein. Dies ist die Summe, die Kindern aus den Bildungs- und Teilhabepaket zusteht. „Aktuelle Umfragen, zuletzt auch vom Landesbildungsministerium, weisen aber Kosten von bis zu 1.000 Euro auf. Dies kann sich keine arme Familie leisten und lässt Eltern verzweifeln“, erklärt Albracht.

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Auch Kreispräsident Meinhard Füllner steckte fleißig die Fähnchen des Kinderschutzbundes in den Rasen. Foto: W. Reichenbächer

 

„Ich freue mich über diese Aktion hier in Schwarzenbek, obwohl es besser wäre, sie wäre gar nicht nötig“, so Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig. Kinderarmut sei auch in Schwarzenbek ein Thema. „142 Kinder erhalten Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket, aber es sind sicherlich noch mehr Kinder betroffen. Es werden nur keine Anträge gestellt“, erklärt die Bürgermeisterin. Der Kinderschutz geht von 548 betroffenen Kindern in der Europastadt aus. „Da gibt es im reichen Deutschland noch einige Hausaufgaben zu machen“, befindet die Bürgermeisterin. „Die Kinder werden in ihrer Entwicklung gebremst, wenn es am Geld mangelt“, schließt Borchers-Seelig ab. Dies könne sich später wie ein roter Faden durch das Leben ziehen.

Kreispräsident Meinhard Füllner würde sich wünschen, die Fähnchen würden länger im Rasen stecken, „als Mahnmal“. „Es wird ja schon viel Geld investiert, aber ich fürchte, es kommt nicht da an, wo es hingehört, bei den Kindern“, bedauert Füllner. Man müsse das Thema Kinderarmut daher immer wieder in Erinnerung rufen. „Mich beschämt es, dass wir beim internationalen Bildungsvergleich es immer noch nicht geschafft haben, das arme Kinder die gleichen Chancen haben wie andere Kinder“, erklärt der Preispräsident. „Alle Kinder sollten die gleichen Chancen haben“, so Füllner, und spricht damit auch die anwesenden Kinder an, die die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge aufnehmen sollten. „Sie nicht Kinder zweiter Klasse“, betont Füllner.

Letzte Änderung am Freitag, 23 September 2016 12:44

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