Mittwoch, 02 Mai 2012 16:15

Unterrichtsausfall – eine Mogelpackung oder burn-out Syndrom der Lehrer?

Podiumsdiskussion im Schwarzenbeker Rathaus - Schüler sehen Probleme und vermissen ihren Unterricht

Gabriel-Gruppe 006

Matthias Heidn, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Foto: hfr

Schwarzenbek (tba). „Nach fünf Wochen Englischausfall hat man dann auch mal wieder Lust auf Englisch,“ so äußerte sich Lukas Johnsen, Landessschülersprecher der Gymnasien kritisch auf der Podiumsdiskussion. Lara Hammersen, Schülersprecherin aus Wentorf ergänzte: „Ich bin jetzt in der 11. Klasse. Wenn in den nächsten Schuljahren so viel Unterricht wie in der Vergangenheit ausfällt, dann weiß ich nicht, wie ich ein gutes Abitur schaffen kann.“

Die Arbeitsgemeinschaft für Bildung des Kreises Herzogtum Lauenburg hatte auf ihrer Veranstaltung „Unterrichtsausfall – eine Mogelpackung?“ interessante Gäste, die aus dem Istzustand an Schleswig-Holsteins Schulen kein Hehl machten. Thomas Waskow, Kreiselternbeiratsvorsitzender und Mitglied im Landeselternbeirat sowie Dirk Wallendzik, Elternsprecher aus Mölln, beklagten die mangelnde Transparenz der Statistik zum Unterrichtsausfall. In der Tat seien 2,01 Prozent Unterrichtsausfall gemäß Ministerium in Ordnung. Nicht in Ordnung sei allerdings, wie der verbleibende Unterrichtsausfall zahlenmäßig geschönt werde, denn beschäftigte Schüler zählen nicht zum Unterrichtsausfall

Die rund 40 Teilnehmer, meist Lehrer oder Schulleiter, der Veranstaltung diskutierten engagiert und intensiv mit. So wurde festgestellt, dass bereits 60 Prozent aller Lehrer burn-out gefährdet seien und da aufgrund einer in Kürze zu erwartenden hohen Pensionierungswelle ab 2013/ 2014 ein massiver Lehrermangel droht, wird die Zahl der burn-out Gefährdeten sicherlich noch steigen.

Matthias Heidn, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, hielt ein Impulsreferat in dem er Folgendes vortrug: „Gerade vor dem Hintergrund , dass die noch amtierende Landesregierung bis zum Jahre 2020 insgesamt 3650 Stellen abbauen will, um die Schuldenbremse einzuhalten, führt den Schulbetrieb in „Absurdisdan“. Für aktuelle Themen wie „Inklusion“ (500 Stellen mehr) bzw. überfällige Lehrerfortbildungen sei diese bildungspolitische Entscheidung eine Rolle rückwärts. Es sei eine Scheinlösung, den Vertretungsfond zu erhöhen, ohne dafür ausreichend qualifizierte Lehrer zu haben. Grundsätzlich müssen junge Lehrkräfte eine verlässliche Planung erhalten um z.B. für ein Jahr mit einem befristeten Vertrag an einer Schule als Vertretungslehrer eigesetzt zu werden, um dann eine Perspektive mit Festeinstellung zu bekommen. Verhindert werden müsse auch, dass gut ausgebildete Lehrer Schleswig-Holstein verlassen, weil sie in anderen Bundesländern sofort eine Festeinstellung bekommen.“

Olaf Schulze, SPD-Landtagsabgeordneter und Moderator der Veranstaltung bekam eine to-do-Liste mit auf den Weg, die, so wünschte man sich, er auch nach der Landtagswahl realisieren möge.

Letzte Änderung am Donnerstag, 10 Mai 2012 10:28

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